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Auf den Spuren von Sophies "Geschenk mit Herz"

Beobachtungen von den Päckchenverteilungen

von Carolin Gissibl und Johannes Klein,  19.01.2021

Die letzten Meter holpert das Auto über den brüchigen Asphalt. Ankunft in einem Roma-Viertel in Serbien. Kinder laufen im Schnellschritt zum Wagen, manche rennen, andere sind zögerlich. Wie ein Junge, der sich hinter seinem Vater versteckt und neugierig durch dessen Beine lugt. Aus dem Kofferraum werden Pakete geladen: Ein Mädchen erhält eines mit einem violetten Deckel, auf dem mit Kugelschreiber geschrieben steht: "Für dich - Von Sophie". Das Paket ist verziert und mit Rentier-Geschenkpapier umwickelt.

Dies ist das liebevoll gepackte Päckchen von Sophie. Wen es wohl erfreuen wird? Foto: humedica

Wenn die ehrenamtlichen Helfer von humedica die über 102.000 Pakete der Aktion "Geschenk mit Herz" in 17 Länder weltweit senden, weiß in Kaufbeuren noch keiner, welche Hände die bunten Pakete entgegennehmen werden. Über 5000 wurden in einem Lastwagen nach Serbien transportiert - 1600 nach Rumänien. Dort hat der Projektpartner "Plantogether" einige Meter außerhalb eines Dorfes ein Sinti und Roma Camp besucht.

Johannes Klein war für humedica vor Ort und beschreibt seine Eindrücke aus Rumänien:

Die "Geschenke mit Herz werden unter anderem in einem Sinti und Romadorf in Rumänien verteilt. Foto: Plantogether

Die Freude über das "Geschenk mit Herz" ist groß bei diesem Jungen in Rumänien. Foto: Plantogether

Zerfallende Häuser, Zelte, die als Schlafraum dienen, Kinder, die im Winter barfuß und in verdreckter Kleidung herumlaufen - solche Bedingungen würde man sicher nicht in Europa vermuten. Sie leben abgeschnitten von Strom, Wasser, Gas - und von der Außenwelt.

Darunter leidet auch die Hygiene. Das sorgt dafür, dass die Menschen sozial diskriminiert, isoliert und nicht integriert sind. Die Hoffnungslosigkeit lässt viele in Drogen- und Alkoholmissbrauch versinken. Die Armut sorgt dafür, dass Kinder immer wieder in der Stadt zum Betteln gehen, was sie daran hindert, zur Schule zu gehen.

Möglichkeiten zu schaffen für die heranwachsende Generation aus diesen Verhältnissen auszubrechen, ist eine große Herausforderung. An der Verbesserung hygienischer Bedingungen will unser Projektpartner "Plantogether" in Zukunft arbeiten. Projekte zur Körper- und Kleidungshygiene sollen die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Randgruppe verbessern: So werden Workshops zum Etablieren von regelmäßigem Duschen und Wäschewaschen geplant. Dadurch kann den Kindern dann der Zugang zum öffentlichen Bildungssystem erleichtert werden und Diskriminierung verringert werden.

Diese Familie konnte sich außerhalb der Stadt den Traum vom eigenen Haus verwirklichen. Dort erzeugen sie Strom, fördern Wasser, betreiben Landwirtschaft und halten ein paar Tiere. Foto: Plantogether

Bianca ist fünf Jahre alt und geht zur Schule. Sie wünscht sich für Weihnachten und das neue Jahr, dass der Unterricht wieder beginnt. Denn ganz wichtig ist ihr, dass sie dort ihre Freunde wieder treffen kann. Die Pandemie hat in Rumänien in den letzten Monaten auch den Schulbetrieb hart getroffen. Seit März ist die Schule meistens ausgefallen, lediglich von September bis November war normaler Betrieb.

Die Direktorin einer lokalen Schule schätzt, dass 80% des Lernstoffs nicht vermittelt werden konnten. Denn Home Schooling funktioniert hier leider nicht so gut, sagt sie. Es würde an Unterrichtsmaterialien fehlen, aber auch an digitalen Endgeräten für die Schüler. Besonders bildungsferne oder arme Kinder sind besonders benachteiligt: Bisher waren bei einigen Schülern zuhause weder Tablet, Laptop oder Internetverbindung vorhanden.

Vergangene Woche kamen die lange vom Staat versprochenen Tablets. Der Umgang mit den neuen Geräten muss mühsam durch die Lehrer in Einzeltreffen geübt werden. Einige der Eltern sind Analphabeten und deshalb stellt sich allein das Mitteilen von Information als große Herausforderung dar. Besonders die Eltern der Schulkinder aus bildungsfernen Schichten können die ausfallende Schule dadurch kaum ausgleichen: Einige arbeiten sehr viel und haben keine Zeit dafür, dann übernehmen oft die Großeltern die Betreuung. Andere sind arbeitslos und haben selbst keine ausreichende Schulbildung.

Lernschwache Kinder wurden bisher oft in der Nachmittagsbetreuung aufgefangen, wo sichergestellt wurde, dass alle auf einem Lernlevel bleiben. Diese fällt seit Frühjahr ersatzlos weg. Die Direktorin steht vor einer Menge Herausforderungen und sucht weiter nach Lösungen. Denn unter allen Umständen gilt es zu verhindern, dass Schüler aufgrund von CoVid-19 die Schule abbrechen müssen.

Nächster Halt: Niš. Der Transporter mit Sophies violettem Paket hält in der drittgrößten Stadt Serbiens, die von Bergen umschlossen im Süden des Landes liegt. Die Verteilung der Pakete vor Ort hat humedicas Partnerorganisation "Love Your Neighbor" (LYN) organisiert. Weihnachten feiern dort orthodoxe Christen, ein Großteil der Serben, am 6. Januar und 7. Januar. Carolin war für humedica vor Ort - und hat Sophies Paket begleitet.

Um die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten, dürfen nicht alle Kinder gleichzeitig zu einer Verteilung kommen, müssen Abstand halten und Masken tragen. Auch Serbien ist von der Corona-Krise schwer getroffen. Über 3700 Menschen sind bisher an dem Virus gestorben (Stand: 19.1.2021). Manche Verteilungen dauern durch die Maßnahmen drei Mal so lange als in den Vorjahren, erzählen Mitarbeiter von LYN.

Das Mädchen mit der zerschlissenen Jeans, das Sophies violettes Paket erhalten hat, heißt Miona und ist zehn Jahre alt. Der Weg zu ihrem Zuhause führt einen Hang hinunter in eine enge Gasse, vereinzelt Risse oder Stolpersteine auf der Straße. Das "Haus" ist ein etwa 20 Quadratmeter großer Raum. Bis auf eine grell blinkende Lichterkette an einem Plastikbaum in einem Regal erinnert kaum etwas an Weihnachten. Das neuartige Corona-Virus hätte hier vermutlich leichtes Spiel: In dem Zimmer lebt Miona mit ihren Eltern und acht Geschwistern. Ursprünglich waren es neun, aber die älteste Schwester starb kurz vor ihrem 19. Geburtstag an einem Hirntumor.

Miona und ihr Bruder vor dem Haus. Neben der Tür hängt die Todesanzeige ihrer Schwester. Foto: Carolin Gissibl

"Ich bin mir sicher, sie ist jetzt an einem besseren Ort", sagt ihr Onkel Dragan, der die Verteilung zusammen mit LYN organisiert hat. Er wohnt seit zwanzig Jahren in dem Roma-Viertel, wo sich Häuser eng aneinanderschmiegen. Sein Eingang liegt etwa drei Meter entfernt zu Mionas Familie. Die 10-Jährige sitzt auf seiner Couch und öffnet das Päckchen von Sophie: Bürste, Hygieneartikel, Puzzle, Malbuch, Stift, Mütze, Kuscheltier. Stolz hält Miona eine Packung sogenannter Schleckmuscheln in die Höhe, Kunststoffschalen in Muschelform mit Bonbonmasse. "Es ist vermutlich die einzige Süßigkeit, die sie an Weihnachten essen wird", sagt ihr Onkel.

Miona beim Auspacken des Päckchens. Foto: Carolin Gissibl

Dragan leidet an Muskeldystrophie, einer Erbkrankheit, die zu Muskelschwäche und Muskelschwund führt. Nur beim Gehen merkt man dem 50-Jährigen seine Krankheit an, der typisch watschelige Gang. Dragan habe keine Wünsche. "Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen es schlechter geht."

Dragan vor seiner Tür. Im Haus gegenüber lebt Miona mit ihrer Familie. Foto: Carolin Gissibl

Trotz seiner Gehbehinderung begleite Dragan die Kinder oft in die Schule, erzählen Freunde. Er wolle sichergehen, dass sie den Unterricht besuchen. Seine Nichten und Neffen sollen es besser haben. Daher hofft Dragan, dass sie durch Bildung irgendwann alleine den Weg raus aus der Armut schaffen.

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