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Weihnachten im Krankenhaus

Das Leid der Schwächsten

von Jasmin Eigemann, 18.11.2014

Bereits zum dritten Mal besucht Claudia Conrath für „Geschenk mit Herz“ eines der Länder, in die die Weihnachtspäckchen verschickt werden. Nach Moldawien im Jahr 2012 und Äthiopien im letzten Jahr, fliegt sie nun in die Ukraine. Mit dabei bin auch ich, Jasmin Eigemann vom „Geschenk mit Herz“-Team, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Aktion. Die kommenden vier Tage werden wir in der Stadt Lutsk, der Hauptstadt der westukrainischen Region Volyn verbringen. Dort besuchen wir Projekte von Childrens Mission Ukraine (CMU), einer Hilfsorganisation die seit etwa 20 Jahren eng mit humedica zusammenarbeitet.

An unserem zweiten Tag besuchen wir das einzige Kinderkrankenhaus der Region Volyn, einem Gebiet in dem immerhin eine Millionen Menschen leben. Hier werden Kinder, die die Weihnachtszeit im Krankenhaus verbringen müssen mit Weihnachtspäckchen aus Bayern aufgeheitert.

Schon seit beinahe 20 Jahren unterstützt humedica das Kinderkrankenhaus durch die sogenannte Versorgungshilfe. Insbesondere Verbandsmaterial und Einrichtungsgegenstände wie z.B. Krankenhausbetten werden von Kaufbeuren aus nach Osten verschickt.

Leider ist diese Form der Unterstützung eine Notwendigkeit, da das Krankenhaus keinerlei weitere Unterstützung erhält. Von der ukrainischen Regierung erhalten sie pro Patient zwar einen Euro am Tag, dies deckt allerdings nicht einmal die Kosten für die Mahlzeiten, geschweige denn weitere medizinische Versorgung. Verschärft wird die Situation weiter durch die steigenden Lebensmittelpreise, ausgelöst durch den Konflikt im Osten des Landes.

Beim Eintritt in das Krankenhaus habe ich ein leicht bedrückendes Gefühl und fühle mich zugleich zurück in die 1980er Jahre versetzt. In der Eingangshalle befinden sich hölzerne Klappstühle, wie im Kino, der Boden besteht im gesamten Gebäude aus abgewetztem Holz, nur abgelöst durch einfachen Beton, der dick mit grüner Farbe bestrichen wurde.

Nicht nur draußen, sondern auch im Gebäude ist es sehr kalt. Wie alle Gebäude in der Ukraine hat auch das Krankenhaus Fenster mit nur einfacher Verglasung. Durch alle Ritzen und Ecken kriecht Kälte in das Gebäude.

Die Leiterin des Hospitals, eine kleine resolut wirkende Frau, begrüßt uns am Eingang. Nach der Übersetzung teilt uns Lyudmila Lonyuk, Leiterin von humedicas Partnerorganisation CMU und so etwas wie unsere Reiseleiterin, mit, dass wir heute drei Stationen besuchen werden. Die Krebsstation, die Säuglingsstation und die Station für Allgemeinchirurgie. Allerdings müssten wir im Vorfeld die Kinder erst fragen, ob wir ihre Zimmer betreten dürften. Für uns selbstverständlich.

Aus hygienischen Gründen bekommen wir noch blaue Plastiküberzieher für unsere Schuhe und machen uns dann gemeinsam auf den Weg. Mit dabei haben wir Kuscheltiere, kleine Spiele, Luftballons und Seifenblasen, um die Kinder etwas aufzuheitern.

Lyudmila begrüßt jedes einzelne Kind auf das herzlichste, kündigt uns auf Ukrainisch an und wartet auf eine Zu- oder Absage. Fast alle Kinder sind neugierig auf diesen seltsamen Besuch auf Deutschland und wollen wissen wie Deutsche aussehen.

Leider gar nicht so anders, als ukrainische Menschen.“, bedauert der zehnjährige Lukas. Sein Schicksal ist mir besonders im Kopf geblieben. Bei ihm ist sein sechs Jahre älterer Bruder. In ihrer Familie sind sie vier Geschwister, die Eltern haben sie im vergangenen Jahr verloren. Glücklicherweise sind die Geschwister bei der Großmutter untergekommen.

Und nun ist Lukas, das Nesthäkchen, auch noch an Krebs erkrankt. Jeden Tag besucht ihn eins seiner Geschwister, meist sein Bruder, der immer wieder schützend den Arm um ihn legt. Tapfer lächelnd freut sich über das von uns mitgebrachte Kuscheltier.

Manche Kinder wollen zur Weihnachtszeit gar nicht mehr nach Hause.“, erzählt uns Lyudmila Lonyuk „Sie wissen, dass wir hier jedes Jahr Geschenke aus Deutschland verteilen, Zuhause würden sie keine bekommen.“.

Auch die anderen Stationen hinterlassen ihren Eindruck, jedoch nicht so schmerzlich wie auf der Kinderkrebsstation. Wir lernen viele Menschen kennen, unter anderen Katja, die also Waise schon früh von CMU unterstützt wurde und nun von Lyudmila wie eine Tochter begrüßt wird.

Vor vier Monaten brachte sie ihren Sohn auf die Welt. Bei seiner Geburt gab es Komplikationen, sein Hirn wurde beschädigt. Deshalb ist sie immer noch hier und freut sich an seinem Krankenbettchen die kleinste Verbesserung.

Wir verlassen das Krankenhaus, dankbar für unsere privilegierte medizinische Versorgung in Deutschland und hoffen, den Kindern mit unseren Geschenken den Tag etwas verschönert zu haben.