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"Geschenke mit Herz" bringen Freude II_Besuch in Moldawien

von Joachim Panhans/SRI, 15.01.2009

Obwohl Weihnachten längst wieder hinter uns liegt, ist die humedica-Päckchenaktion "Geschenk mit Herz" nicht abgeschlossen: Täglich erhalten wir neue Bilder von glücklichen Kindern, auch Berichte.

Der Koordinator von "Geschenk mit Herz", Joachim Panhans, begleitete persönlich einen Transport nach Moldawien. Sein Bericht gibt tiefe Einblicke in ein Land mit schwieriger Gegenwart.

Warum Moldawien?

Nachdem Rumänien sich auf den Weg in die europäische Gemeinschaft gemacht hatte, war abzusehen, dass die Lebenssituation der rumänischen Bevölkerung sich zusehends verbessern würde.

humedica suchte daher ab Frühjahr 2008 nach Möglichkeiten, seine Tätigkeit innerhalb Europas auf Länder auszuweiten, die noch hinter der Entwicklung von Rumänien stehen und in denen humedica noch nicht tätig ist. So fiel Entscheidung auf Moldawien.

Auf dem Weg nach Moldawien (persönliche Eindrücke)

Moldawien, hatte meinen Wissensdurst geweckt. Weder wusste ich genau, wo es liegt, noch was mich erwarten würde. Das Internet gab die Geheimnisse des Landes auch nur zögernd preis. Nach Reiseberichten und Literatur über die Moldaurepublik brauchte ich erst gar nicht zu suchen – aussichtslos.

Nachdem ich den Sicherheitsgurt geschlossen hatte, ging mein erster Griff zur Bordzeitung von CARPATAIR. Ich stieß auf Hochglanzberichte über einmalig romantische Städte, Reiseziele für Weltenbummler, Artikel über Weltklasseweine und erfolgreiche Unternehmen, die mir vermitteln sollten, auch in Moldawien wurde der Anschluss an die „eine Welt“ nicht verpasst.

„CENTRU MEDIKAL DE CARITATE“ in Ciadir Lunga: Ort der Hoffnung. Foto: humedica/Joachim Panhans

Keine Rede von den Hinterhöfen oder den Menschen, die der Fortschritt hinter sich gelassen hatte. Es dauerte noch ein paar Stunden nach der Landung und etliche Kilometer Autofahrt über holprige Straßen bis Moldawien sein wahres Gesicht zeigte, aber auch Hoffnung aufkeimen ließ.

„GLORIA“, so heißt die kleine Insel der Hoffnung für die Menschen von Ciadîr Lunga, 150 km südlich von Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens. Ein ehemaliges Bankgebäude, mit viel Liebe zum Detail zum „CENTRU MEDIKAL DE CARITATE“ umgebaut, bietet vielen Notleidenden mehr als nur medizinische Hilfe.

Vitali Paunov und seine Frau Tamara sind das Herz der Einrichtung. Dreißig weitere Mitarbeiter füllen das Haus mit Wärme und gelebter Nächstenliebe. Täglich strömen mehr als hundert Patienten in das Asyl der "barmherzigen Samariter von Ciadîr Lunga", werden von Ärzten professionell behandelt, erhalten eine warme Mahlzeit, Trost und Hilfe in scheinbar ausweglosen Situationen.

humedica startete sein Engagement in diesem Projekt, gemeinsam mit der Organisation wortundtat e. V., durch die Aktion „Geschenk mit Herz“ und setzt an dieser Stelle mit 2000 Weihnachtspäckchen ein wichtiges Zeichen bei den Familien und Kindern von Ciadîr Lunga. Die Päckchen sind nur der erste Schritt zu nachhaltiger Hilfe. Die langfristige Versorgung und kontinuierliche Betreuung des karitativen Zentrums GLORIA ist bereits angelaufen und wird so zu einem Teil der umfassenden Hilfe von humedica.

Situation in Ciadîr Lunga

Ciadir Lunga ist eine Stadt an der Lunga (kleiner Fluss) in Gagausien. Sie ist überwiegend von Gagausen bewohnt. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 20.000.

Wirtschaftliche Bedeutung haben die Landwirtschaft und das damit verbundene, weiterverarbeitende Gewerbe sowie eine Textilfabrik mit ca. 300 Angestellten, die vor zwei Jahren von einem türkischen Geschäftsmann gekauft wurde. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks gab es noch vier weitere Fabriken. Die aktuellen Löhne sind auch für moldawische Verhaltnisse sehr niedrig (ca. 50 bis 70 Euro im Monat), die Arbeitslosigkeit beträgt ca. 45 Prozent.

Die Armut in dieser Kleinstadt ist überall greifbar. Foto: humedica/Joachim Panhans

Die Bevölkerung lebt in der Regel in privaten Eigenheimen (ca. 3600 Haushalte), Ein- bis Zweizimmerhäuschen oder in stadteigenen Plattenbauten. Das Trinkwassernetz liefert lediglich Brauchwasser, Trinkwasser wird von der Bevölkerung in den meisten Teilen der Stadt aus Brunnen geholt.

Die Versorgung mit Elektrizität ist unzureichend, zeitweise fällt die Stromversorgung komplett aus. Nur 8 Prozent der Gesamtbevölkerung verfügt über einen eigenen Telefonanschluss.

An vielen Orten in der Stadt stößt man auf eine unbeschreibliche Armut. Menschen leben in unbeheizbaren Holzverschlägen; Behinderte ohne Gehhilfen und medizinische Versorgung. Dazu kommt, dass weder Stadt noch Staat die nötigen finanziellen Ressourcen haben, um die Lage auch nur annähernd zu verbessern.

Konkrete Hilfe

Wie bereits eingangs erwähnt, war die Verteilung von rund zweitausend "Geschenken mit Herz" nur der Anfang unseres Engagements. Wir unterstützen die deutsche Organisation wortundtat e. V. bei ihren Bemühungen in Ciadir Lunga.

wortundtat die gemeinnützige christliche Gesellschaft „Gloria“. Ein engagierter Kreis von Christen aus zwei örtlichen Baptistengemeinden bot dort schon seit längerem in einem winzigen Haus stundenweise kostenlose ärztliche Beratung und Versorgung an.

Die Not wurde in den letzten Jahren immer größer. Der Bedarf an professioneller medizinischer Versorgung und die Notwendigkeit Menschen in Not zu betreuen, stiegen in Moldawien stetig. Deshalb beschloss wortundtat, dieses diakonische Zentrum gezielt zu unterstützen.

Für den Ausbau der Arbeit wurde ein Gebäude gekauft und den Bedürfnissen entsprechend umgebaut. So bietet es Platz für eine Apotheke, sechs Behandlungsräume und ein Untersuchungszimmer für Patienten, ein Labor, eine Küche, einen Speise- und Versammlungssaal, sanitäre Räume, ein Waschküche, eine Kleiderkammer, Lagerräume, eine Obdachlosenwohnung, eine Hausmeisterwohnung, Werkstatt, Kellerräume zur Lebensmittellagerung und vier Gästezimmer.

Kostenlose medizinische Behandlungen sind insbesondere für Alte und Kinder enorm wichtig. Foto: humedica/Joachim Panhans

Der laufende Betrieb des Zentrums wird durch ehrenamtliche Mitarbeiter (engagierte Christen aus zwei örtlichen Baptisten Gemeinden) und 30 Hauptamtliche aufrechterhalten. In dem umgebauten, ehemaligen Bankgebäude werden seit 2007 täglich etwa 120 Patienten ärztlich versorgt, die eine öffentliche oder private medizinische Versorgung nicht bezahlen können. Der Bedarf an Beratung, Betreuung und Versorgung mit Medikamenten ist enorm.

Der medizinische Dienst im Zentrum wird durch ein mobiles Einsatzteam ergänzt. Dabei fährt eine Kinderärztin oder eine Algemeinmedizinerin zu den Patienten. Hierzu dient u.a. auch der durch humedica gespendete Pajero. „Freitisch“ so nennt sich ein Programm für die Abgabe einer täglichen Mahlzeit an die Ärmsten. 80 Personen werden so täglich versorgt. Dies ist durch eine professionell geführte Küche möglich.

Eine Kleiderkammer gehört ebenso zum Gesamtkonzept der Einrichtung. Diese wird durch regelmäßige Hilfstransporte aus Deutschland gefüllt. Bezugsberechtigt sind alle Notleidenden aus Ciadîr Lunga und Umgebung. Ebenso können Bedürftige Lebensmittelpakete erhalten. Es gibt auch ein Programm, bei dem Lebensmittelpakete zu den Betroffenen gebracht werden. Diese werden von „Gloria“ ausgewählt, sind durch Nachbarn und die Stadtverwaltung als bedürftig bestätigt und haben keine Möglichkeit die Pakete im Zentrum ab zu holen.

Findelkinder auf der Haustreppe, von verzweifelten Müttern abgelegt, Alte die verlassen von Verwandten in einem Holzverschlag dahin vegetieren. Immer wieder werden ähnliche Tragödien bekannt, die erahnen lassen, daß dieses Land mehr als eine verbesserte medizinische Versorgung und Überlebenspakete benötigt.

Deshalb werden im „Gloria“-Zentrum auch Gottesdienste abgehalten, zu denen die Hilfsbedürftigen eingeladen werden. Somit wird das Projekt den Grundsätzen von wortundtat gerecht. Neben der Sorge für das tägliche Brot und die Gesundheit auch die Gute Nachricht, das Evangeliums von Jesus Christus, weiterzusagen.

Ein Grundsatz, dem sich humedica ebenso verpflichtet fühlt und deshalb entschlossen ist, dieses Projekt regelmäßig weiter zu unterstützen. Wir möchten Sie, liebe Freunde und Förderer unserer Arbeit, herzlich bitten, uns mit einer gezielten Spende die Möglichkeit dazu zu geben.