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"Geschenk(e) mit Herz" am Ziel

von Joachim Panhans, 23.06.2008

Joachim Panhans verantwortet die Organisation unserer Weihnachtspaketaktion "Geschenk mit Herz". Gemeinsam mit einem Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks war er im rumänischen Dorohoi Augenzeuge der Übergabe der Päckchen an bedürftige Kinder. Seine Erinnerungen an diese besonderen Momente sind bewegend.

"Die Tage hier in Dorohoi beginnen für uns schon sehr früh. Um sechs Uhr sitzen wir am Frühstückstisch und lassen uns von einer Tasse Kaffee aus dem Tiefschlaf holen. Nach einer halbstündigen Aufwachphase mühen wir uns mit einem, bis unters Dach gefüllten, VW-Bus aufs Land. Durch Schlaglöcher und über Ortsverbindungsstraßen, die zerfurcht, schlammig und endlos kurvig in der Landschaft liegen, schaukeln wir von einer kleine Dorfschule zur anderen.

Die Felder sind kahl und bereits für die nächste Aussaat umgepflügt. Nebel liegt seit einigen Tagen über den Weihern und in den Talsenken. Verträumt, wie vor hunderten Jahren (das Landschaftsbild erinnert mich an die Erzählungen meiner Großeltern) schlummern die winzigen Siedlungen zwischen den sanften Hügeln vor sich hin. Weiden und Pappeln schützen die bunt zusammen gewürfelten Häuschen vor dem rauen Wind der aus Ukraine herüber bläst. Der eigenwillige Baustiel der zwei bis drei Räume großen Hütten orientiert sich meist an den vorhandenen Materialien und erinnert eher an die Wochenendbasteleien von Kleingärtnern.

Die Zeit scheint stehengeblieben. Foto: Joachim Panhans

Das Leben hier ist geprägt von endlos scheinender Handarbeit auf den Feldern, in den Gärten, im und am Haus. Ein Traktor, der die schwere, dunkle Erde pflügen könnte, bleibt für die meisten Bauern ein finanziell unerschwinglicher, unerreichbarer Traum. Pferdegespanne prägen den Alltag auf den unbefestigten, schlammigen Straßen. Meist sitzt der Eigentümer teilnahmslos, manchmal sogar schlafend, vorne auf dem Wagen seines Gespanns. Einem Leiterwagen dessen Aussehen mich sofort an den Besuch in einem Bauernmuseum erinnert. Allerdings mit einem Zugeständnis an die Moderne, bei den Rädern, vier Pneus, die meistens von Motor getriebenen Fahrzeugen stammen.

Die Region um Dorohai gilt im Agrarland Rumänien als das Armenhaus der Nation. Es gibt keine Industrie nur wenige Arbeitsplätze und von der Landwirtschaft kann ein Bauer, der der Agrarindustrie der Europäischen Union trotzen will, seine Familie nicht mehr ernähren.

Viele junge Menschen haben deshalb die Bukowina in den letzten Jahren verlassen, sind nach Italien oder Spanien gegangen und versuchen einen Ausweg aus ihrem wirtschaftlichen Dilemma zu finden. Deshalb leben mehr als 900 Kinder, verlassen von Ihren Eltern, in diesem Landstrich um Dorohoi bei den Großeltern, werden von Nachbarn betreut oder von Geschwistern groß gezogen.

Endlich am Ziel: Ein LKW voller Weihnachtspäckchen. Foto: Joachim Panhans

Auf diese „Wirtschaftswaisen“ treffen wir überall bei unserer Weihnachtspäckchen-Verteilaktion, in den Kindergärten und Dorfschulen. Einige von ihnen leiden nicht nur in ihrer kleinen Seele, sondern sind auch äußerlich als verlassene und vergessene Kinder zu erkennen. Still, zurückgezogen von der Gruppe, leben sie mit ihrer Trauer. Einige von ihnen scheinen zu keiner Gefühlsregungen mehr fähig, kein Lachen, die Augen ohne Glanz, die Kleidung sichtlich vernachlässigt.

Motiviert, diesen und den übrigen Kindern einen Augenblick unvergesslicher Weihnachtsfreude zu bringen, treten wir durch die Eingangstüre, in den kahlen Vorraum, des ersten Kindergartens. Wieder das Gefühl eine Zeitreise zurück in die Jahre vor dem neunzehnten Jahrhundert angetreten zu haben. Durch die windschief in den Angeln hängenden Türen dringen die Stimmen singender Kinder. Eine Glühbirne hängt an einem Kabel von der Decke und erhellt den Vorraum, mit ihrem schwachen Licht, nur spärlich. Der Bürgermeister begrüßt uns. Der Rektor der Schule, seines Zeichens einiger Lehrer und die einzige Lehrerin kommen aus den beiden Klassenzimmern. Wir stapeln die Päckchen neben die Zimmertüren und betreten gemeinsam den Raum der Erst- bis Viertklässler. Und wieder eine Begegnung mit „der guten, alten Zeit“. Die Kinder stehen auf, legen die Arme militärisch stramm an und rufen uns, in kindlichem Singsang, eine einstudierte Begrüßung zu. Die Szene bringt uns fast dazu, ebenso Haltung an zu nehmen. Beherzt gehen wir, mit dem Versuch diesem Augenblick alle Förmlichkeit zu nehmen, auf die Kinder zu, singen mit ihnen ein paar Weihnachtslieder und legen jedem ein Geschenk aus Deutschland in die offenen Arme. Nach einer kleinen Rede des Direktors und der Erklärung unsererseits, warum wir hier her gekommen sind, dürfen die Kinder ihre Päckchen öffnen.

So sieht Weihnachtsfreude aus. Foto: Joachim Panhans

Juchzen, schallendes Lachen, stilles Genießen, Freude auf unserer und auf der Seite der Kinder, lässt uns schnell die Gewissheit finden, hier sind wir richtig. Einige teilen ihr reichhaltig gepacktes Päckchen mit einem sparsamer beschenken Tischnachbarn. Immer tiefer graben sie in ihrer Schatztruhe und fördern ständig neue Überraschungen zu Tage. Ein paar schlingen ihre Arme fest um den Karton, als wollten sie sagen: „Den gebe ich nie mehr her!“

Diese Eindrücke wiederholen sich in den nächsten Tagen wieder und wieder. Sogar Umarmungen und Tränen der Freude gehören dazu. Auch die Bitte, wieder zu kommen. Wir fühlen uns ebenso beschenkt, wollen den Kindern zeigen, ihr seid nicht vergessen, und versprechen: „Wir kommen nächstes Jahr wieder und bringen euch Geschenke, gefüllt mit Mitgefühl und Nächstenliebe“

Danke, dass Sie uns geholfen haben, 16.000 Kinder zu sagen: „Es gibt jemanden, der an dich denkt!“

Joachim Panhans
und das humedica-Weihnachstspäckchenpacker-Team"