Geschenk mit Herz

Geschenke bringen ein Stück Licht in die Welt

von Stefanie Huisgen, 14.12.2012
Seite DruckenTeilen

Auch in diesem Winter haben wieder viele Bayern ein liebevolles "Geschenk mit Herz" für tausende bedürftige Kinder im Osten Europas gepackt. Heute werden die verbliebenen Päckchen im Lager von humedica kontrolliert und sortiert, sodass am Montag kommender Woche der letzte Lastwagen voller Weihnachtspakete Richtung Moldawien rollen kann.

Unterdessen haben die ersten Geschenke ihr Ziel erreicht und zahlreiche Kinderaugenpaare zum Strahlen gebracht. Im nur 1.500 Kilometer von Kaufbeuren entfernten Nordosten Rumäniens, in der Umgebung der 30.000-Einwohner-Stadt Dorohoi, erfreuten die Pakete aus Deutschland Mädchen und Buben zwischen zwei und zwölf Jahren.

Ausgerüstet mit Fotoapparat und Videokamera reiste humedica-Mitarbeiterin Stefanie Huisgen nach Dorohoi, um die Reaktionen rumänischer Kinder einzufangen. Foto: humedica

Nach ihren prägenden Eindrücken im vergangenen Jahr wollte sich humedica-Mitarbeiterin Stefanie Huisgen eine Reise in die verarmte Region nicht entgehen lassen, um erneut persönlich dabei zu sein, wenn Kinderherzen vor freudiger Erwartung höher schlagen:

„Es ist kaum vorstellbar, dass sich nur wenige Flugstunden von Deutschland entfernt das Tor zu einer anderen Welt befindet. Dieser Eindruck stellte sich bei mir jedenfalls ein, als ich nach dem Verlassen des Flugzeugs ins Auto stieg, in dem ich die letzten Kilometer meiner Reise nach Dorohoi zurücklegen sollte. Zwar war es schon spät am Abend und bekanntlich können selbst wunderschöne Orte dieser Erde in der Dunkelheit ihren speziellen Charme verlieren.

Im Nordosten Rumäniens hingegen vermag das Tageslicht höchstens im Frühjahr und Sommer blühende Landschaften hervorzubringen und dadurch die ansonsten offensichtlichen Zeichen von Leid und Armut ein wenig zu verdecken. Im beginnenden Winter prägen kahle Bäume, brach liegende Felder und karge, teils baufällige Behausungen das Landschaftsbild und rufen bei dem Betrachter nicht selten ein Gefühl der Trost- und Hoffnungslosigkeit hervor.

Geschenke aus Bayern machen den Unterschied

Umso kraftvoller ist der Kontrast, den die bunten Weihnachtspäckchen aus Bayern vor diesem tristen Hintergrund abzeichnen. Insgesamt 10.000 „Geschenke mit Herz“ brachten ebenso vielen verarmten Kindern in der Region um Dorohoi Freude, Wärme und Liebe. Doch nicht nur das: Die Pakete gaben den kleinen Empfängern auch das Gefühl, dass sie nicht vergessen sind in einem Land, das doch aufgrund von allgegenwärtiger Armut eine gewisse Kälte ausstrahlt.

Wie auch in den Jahren zuvor waren ehrenamtliche Helfer aus einer Gemeinde in Wiesbaden und Bistritz (im Norden Rumäniens gelegen) nach Dorohoi gereist, um bedürftige Mädchen und Buben zu beschenken. Zwanzig Freiwillige stellten bereitwillig ihre Zeit für diese Aktion der Nächstenliebe zur Verfügung und waren mit ganzem Herzen bei den rumänischen Kindern. Organisiert wurde die Verteilaktion erneut von der Partnerorganisation Hope for the Children International (HCI), die sich seit 1995 um verwaiste und verlassene Kinder in Dorohoi kümmert und ihnen in einem Kinderdorf neue Zukunftsperspektiven ermöglicht.

Esther Gross sowie Johanna und Georg Siegel (v.l.n.r.) waren schon mehrmals als Weihnachtsboten in Dorohoi und hatten auch diesmal große Freude daran, Kinder zu beschenken. Foto: humedica/Stefanie Huisgen

Unter den Ehrenamtlichen war auch Esther Gross, die selbst rumänische Wurzeln hat und jedes Mal aufs Neue begeistert ist, wenn ein Kind ein Päckchen empfängt und sie mit großen leuchtenden Augen anschaut: „Die strahlenden Kinderaugen sind für mich immer wieder eine große Motivation, nach Dorohoi zu kommen, und auch zu sehen, dass Menschen aus Deutschland das, was sie haben, teilen möchten und die Pakete mit solch einer Liebe packen, um sie Kindern zu geben, die wirklich nichts haben.“

„Als ich gefragt wurde, ob ich auch Geschenke an Kinder verteilen möchte, habe ich mich echt angesprochen gefühlt, weil ich mir gedacht habe, dass ich in Deutschland so viel habe und den Kindern in Armut gerne etwas zurückgeben möchte“, erzählt Marius Steininger, der zum ersten Mal mitgekommen war. Besonders prägend war für ihn die Freude der Kinder: „Auch wenn man die Sprache der Kinder nicht versteht, bekommt man doch bleibende Eindrücke, wenn man sieht, wie sie sich über Kleinigkeiten freuen, seien es Mäppchen oder Kuscheltiere.“

Letzte Vorbereitungen oder: Lasst uns Tetris spielen!

Bevor wir uns jeden Morgen um acht Uhr auf den Weg zu den Kindern machen konnten, mussten am jeweiligen Vortag die fünf benötigten Fahrzeuge mit den Päckchen beladen werden. Je nach Anfahrtsort wurden unterschiedlich viele Geschenke benötigt und es war äußerst wichtig, darauf zu achten, wie viele Pakete welcher Altersgruppe und welchen Geschlechts verladen wurden – nicht immer ein leichtes Unterfangen, zumal die verschiedenen Fahrzeuge von unterschiedlicher Größe und Kapazität waren.

Sobald feststand, welche und vor allem wie viele Geschenke in den jeweiligen Kleinbus gepackt werden sollten, war handwerkliches Geschick gefragt. Denn ein „Geschenk mit Herz“ glich nicht unbedingt dem anderen; es gab teils deutliche Variationen in Umfang und Größe. So fühlte sich der ein oder andere Helfer beim Einräumen der Päckchen in die Fahrzeuge bald an ein Gameboy-Spiel aus eigenen Kindheitstagen erinnert.

Große Freude lösen die Päckchen auch bei den Kleinsten im Kindergarten aus und der Lutscher scheint besonders lecker zu sein. Foto: humedica

Im Laufe der Woche entwickelte sich daher die Frage „Wer will diesmal Tetris spielen?“ zum geflügelten Wort und der Verladeprozess war stets von einer akustischen Untermalung mit der allbekannten wie eigentümlichen Tetris-Melodie geprägt.

Auf teils holprigen und nicht selten vereisten Straßen und gar Feldwegen gelangten wir mit unseren „Päckchenkutschen“ tags darauf selbst in äußerst entlegene Gebiete nahe der ukrainischen und moldawischen Grenze.

Ein freudiger Empfang der Kinder war uns Helfern in jedem Kindergarten und jeder Schule gewiss, denn jede Person, die den Raum betrat, wurde eigenes begrüßt. Eine wahre Besonderheit dabei: Die Schüler standen jedes Mal auf und stellten sich neben ihre Schultische!

Manches Mal durften die Schüler, vor allem Jungs, sogar den Ehrenamtlichen unter die Arme greifen, wenn gleich mehrere hundert Päckchen an einer Einrichtung mit großer Schülerzahl ausgeladen und in die Klassenräume getragen werden mussten. Eine Traube von Kindern scharte sich dann um die Fahrzeuge; für die Mädchen und Buben war es ein großer Spaß.

Zeit für die Bescherung

Im Klassenraum angelangt, sangen wir vor der Bescherung zunächst einige Weihnachtslieder und erzählten den Kindern von der Geburt Jesu Christi und weshalb wir mit Geschenken zu ihnen gekommen waren. Häufig hatten die Schüler auch ein oder zwei Lieder für die Gäste aus Deutschland vorbereitet, manches Mal gepaart mit einem traditionellen rumänischen Tanz.

Dann war endlich der große Moment der Bescherung gekommen und erwartungsfreudige Augen blickten uns entgegen, als wir die bayerischen Weihnachtsgeschenke an die kleinen Empfänger austeilten. Manche Kinder warfen zunächst nur einen gespannten Blick hinein und wollten mit dem Auspacken warten, bis sie Zuhause waren. Die meisten von ihnen wollten hingegen sofort wissen, welche Überraschungen aus Deutschland sie erwarteten.

Dieser Junge hat gerade ein neues Schulmäppchen in seinem Weihnachtspäckchen entdeckt und freut sich riesig über dieses Geschenk. Foto: humedica/Stefanie Huisgen

Freudige Jubelschreie erfüllten die Klassenzimmer, wenn die Mädchen und Jungen ihren Päckcheninhalt genauer unter die Lupe nahmen und sich gegenseitig ihre neuen Spielsachen zeigten. Eine Schülerin probierte sogleich ihre neue Blockflöte aus und ließ sich ob der etwas schiefen Töne gerne von einer ehrenamtlichen Helferin die ersten Handgriffe beibringen.

An anderer Stelle hielt sich ein Junge sein neues FC Bayern-Shirt vor die Brust, um zu sehen, ob es auch passen würde. Unterdessen begutachteten die Mädchen gemeinsam den kosmetischen Inhalt ihrer Weihnachtsgeschenke und probierten Cremes und Kinderlippenstifte aus.

Ein Fest für Klein – und Groß

Es war nicht nur ein Fest für die Kinder, sondern gleichsam auch für die Überbringer der Päckchen. „Es hat mich sehr bewegt zu sehen, wie diese kleinen Hände dieser kleinen Kinder diese Riesenpakete ausgepackt und sich gefreut haben über Sachen, die wir in Deutschland einfach standardmäßig da haben“, verrät der Wiesbadener Antonio Weil und strahlt dabei selbst über das ganze Gesicht.

Benjamin Folgmann kann sich dem nur zustimmend anschließen: „Diese Freude bei Kindern mitzuerleben, die gar nichts haben und in Jogginghose und Gummistiefeln in der Schule sitzen und mit dicken Mützen, weil sie Angst vor Zugluft und Krankheit haben, war eine unvergessliche Erfahrung für mich und ich bin dankbar, dass wir ein Stück Licht in die Welt bringen konnten.“

In der Tat haben die Päckchen aus Deutschland die Kindergesichter aufgehellt, einen schimmernden Glanz in ihre Augen gebracht und ihren Mund mit einem ansteckenden Lachen umspielt. Einem Lachen, das sie nicht so bald wieder verlieren werden und das im kommenden Jahr wieder neu entfacht wird – mit neuen Geschenken, die den Kindern etwas Trost und Freude bringen und sie aus ihrer verarmten Lebenssituation für eine Weile herausreißen.

„Es war wirklich super hier, emotionsreich und hat Spaß gemacht – eine tolle Zeit, die ich nur jedem empfehlen kann, der sich auch mal so engagieren will“, erklärt Marius Steininger am Ende der Woche. Es war eine Woche voller Emotionen, voller Wärme, Zuversicht und Hoffnung. Hoffnung darauf, dass der Schimmer an Licht, der von den Päckchen ausgeht und die Kinder erreicht, einmal das ganze Land mit einem hellen Schein überzieht und die heranwachsende Generation in eine bessere Zukunft führt.“

Teilen
Oben
Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×