Geschenk mit Herz
Geschenk mit Herz

„Eine Mission, die Spuren hinterlässt“

von Stefanie Huisgen, 13.01.2012
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Stolze 81.929 „Geschenke mit Herz“ sorgten zu Weihnachten bei unseren kleinen Mitmenschen für große Begeisterung. Davon wurden mehr als 8.000 Päckchen in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern rund um das rumänische Dorohoi verteilt. Die Stadt im Nordosten des Landes liegt in einer Region, die häufig als „Armenhaus“ Rumäniens bezeichnet wird – leider zu Recht.

Verstärkung für den Heimweg von der Schule: Stefanie Huisgen versorgt die Kinder mit ein paar Süßigkeiten. Foto: humedica/Joachim Panhans

Im Dezember begleiteten zwei humedica-Mitarbeiter eine ehrenamtliche Helfergruppe aus Wiesbaden, deren Mitglieder sich extra Urlaub genommen hatten, um zur Verteilung der Weihnachtsgeschenke nach Dorohoi zu reisen. Unsere Praktikantin Stefanie Huisgen lässt uns an ihren persönlichen Erfahrungen der Weihnachtsmission teilhaben:

„Seit Oktober 2011 arbeite ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei humedica und betreue die „Geschenk mit Herz“-Aktion. Eines Morgens kam ich ins Büro und wurde mit der großartigen Neuigkeit überrascht: „Du darfst nach Dorhoi fahren und beim Verteilen der Päckchen dabei sein!“

Die Möglichkeit, selbst mitzuerleben, welche Reaktionen die kleinen Pakete aus Bayern bei den Kindern in Rumänien hervorrufen, konnte ich mir nicht entgehen lassen. So begab ich mich mit meinem Kollegen Joachim Panhans, dem „Geschenk mit Herz“-Verantwortlichen, für eine Woche nach Dorohoi.

In der 30.000 Einwohner-Stadt hat die Organisation Hope for the Children International (HCI) unter Leitung von Marita Sommer ein Kinderdorf aufgebaut. Dort finden zurzeit 27 verwaiste oder von ihren Eltern verlassene Kinder in fünf Wohngruppen ein Zuhause.

Die Räumlichkeiten der humedica-Partnerorganisation wurden für den Zeitraum des Aufenthaltes auch unser Heim. Außerdem waren im Kinderdorf 18 freiwillige Helferinnen und Helfer aus Wiesbaden untergebracht. In ihrer Gemeinde, dem Christlichen Zentrum Wiesbaden (CZW), sucht Marita Sommer jedes Jahr Ehrenamtliche, die sie nach Rumänien begleiten und beim Verteilen der Geschenke helfen.

"Was hast du denn in deinem Päckchen?" Neugierig begutachten die Mädchen die Geschenke ihrer Freundin. Foto: humedica/Stefanie Huisgen

Gleich nach unserer Ankunft legten wir auch schon mit der Arbeit los, denn es galt, die zu verteilenden Päckchen für die erste Fahrt am Folgetag in die Kleinbusse zu laden. In der Lagerhalle herrschte reges Treiben, das Nico Klasen mit den Worten beschrieb: „Ich komme mir vor wie im Lager der Weihnachtselfen, die in der Station am Nordpol (Rumänien) ihre Schlitten (Busse) mit Geschenken beladen, um sie den Kindern zu bringen. Und Gott ist der Weihnachtsmann!”

Von Dorohoi aus starteten wir jeden Tag mit vier Sprintern, die bis auf den letzten Quadratzentimeter mit bunten Weihnachtspäckchen beladen waren, unsere Touren zu Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern in den umliegenden Dörfern. Über holprige Schotterpisten und durch unzählige Schlaglöcher hindurch gelangten wir nach manch abenteuerlicher Fahrt zum Ziel.

In den Einrichtungen wurden wir oft schon sehnlich erwartet. Die Kinder waren ganz aufgeregt; ihre Vorfreude auf die tollen Überraschungen aus den Geschenken war für jeden im Raum geradezu spürbar. So wurden wir beim Hereinbringen der vielen Weihnachtspäckchen häufig mit einem fröhlichen „Buna ziua“ (Guten Morgen) begrüßt – mitunter jedes Mal beim Betreten des Raumes aufs Neue!

Vor der großen Bescherung mussten sich die Kinder noch einen weiteren Augenblick gedulden. Wie schon im Jahr zuvor erzählten wir von der Geburt Jesu Christi und konnten den Mädchen und Jungen auf diese Weise Weihnachten etwas näher bringen. Gemeinsam mit den Kindern sangen wir Lieder und sprachen ein Gebet.

„Was mich besonders begeistert, ist die Offenheit der Kinder“, erzählte Georg Siegel, einer der Freiwilligen aus Wiesbaden. Tatsächlich hörten die Kinder gespannt zu und konnten sich noch an so manches Lied aus dem Vorjahr erinnern. „Die Kinder freuen sich jedes Mal sehr auf uns. Sie sind voller Erwartung und wären sehr enttäuscht, wenn wir nicht kommen würden“, erklärte Georg Siegel weiter.

Ein strahlendes Lächeln für - man glaubt es kaum - eine Zahnbürste! Foto: humedica/Joachim Panhans

Schließlich war der Moment der Geschenkübergabe gekommen. Das Aufpacken der bayerischen ‚Packerl’ ist für die Mädchen und Jungen jedes Jahr ein Großereignis. Meist stammen sie aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wo Geschenke unter dem Weihnachtsbaum alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind!

Insofern verwundert es nicht, dass sich die Kinder auch über Kleinigkeiten riesig freuten. Viele Jauchzer und Freudenrufe erfüllten den Raum, als sie ihre Päckchen öffneten und die kleinen Überraschungen begutachteten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um Spielsachen, Kleidung oder Hygieneartikel handelte – die Freude war gleichermaßen groß!

Freudestrahlend wurden Kuscheltiere geherzt, Mützen und Schals anprobiert, Cremes ausprobiert, Spielzeugautos auf ihre Fahrtüchtigkeit untersucht – selbst eine Zahnpastatube musste einer inhaltlichen Überprüfung standhalten. Voller Begeisterung schienen die Mädchen und Jungen für einen Moment alles um sich herum vergessen zu haben.

Angesichts der vielen fröhlichen Gesichter und großartigen Stimmung fiel es jedes Mal schwer, sich zu verabschieden. Denn viel zu selten erlebt man in unseren Gefilden noch wahre Freude und Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben. Umso schöner war es, den rumänischen Kindern dabei zuzusehen, wie sie selbst an ganz alltäglichen Gegenständen ihre Freude hatten.

Irgendwann war es leider doch an der Zeit für ein durchaus ernst gemeintes „La revedere“ (Auf Wiedersehen). Ich bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Besuch in Dorohoi war. Viel zu prägend waren die Erlebnisse in einem von Armut gebeutelten Land, für das Fortschritt ein Fremdwort ist und das dringend unserer Hilfe bedarf!

Viel zu schön war es auch, hautnah mitzuerleben, wie Ihre spezielle Hilfe, liebe Freunde und Förderer, bei den bedürftigen Kindern ankam. Es ist keine Hilfe, die einfach verpufft, sondern deutliche Spuren hinterlässt. Vielleicht nicht immer sichtbare Spuren, aber ganz sicher Spuren in den Herzen der Kinder – denn sie wissen, dass es jemanden gibt, der an sie denkt.

Noch dazu war es für mich eine besondere Erfahrung, mit Menschen zu arbeiten, die sich ehrenamtlich für Kinder in Not einsetzen. Menschen, die so viel geben und nichts dafür verlangen. Doch welche Form der Anerkennung könnte befriedigender sein, als die aufrichtige Freude und Dankbarkeit in den Augen eines glücklichen Kindes?“

Mit Ihrer Unterstützung, liebe Freunde, Förderer und Ehrenamtliche, werden solche Aufnahmen erst möglich. Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe!

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