Geschenk mit Herz
Geschenk mit Herz

Heute schon warm gegessen? Über Kinderarmut in Deutschland

von SRI, 11.01.2010
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Immer wieder begegnet uns im Zusammenhang mit unserer Weihnachtspäckchenaktion „Geschenk mit Herz“ die Frage, warum wir auch Kinder in Bayern beschenken. Die Antwort ist von einfacher Traurigkeit und thematisiert ein oft tabuisiertes Thema in unserem Land: Kinderarmut.

Mehr als 2,5 Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut betroffen. Foto: fernsehgottesdienst.de

Im September 2009 erschien ein Aufsehen erregender Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der sich primär mit der Situation von Kindern in Deutschland beschäftigt.

Versucht man die Ergebnisse dieses Berichts zusammen zu fassen, ergibt sich ein trauriges Bild mit unsicheren Perspektiven in der Zukunft. Chancengleichheit gegenüber Gleichaltrigen in anderen europäischen Ländern ist für deutsche Kinder nicht gegeben.

Schlimmer noch: Deutschland investiert zwar zehn bis 20 Prozent mehr für Bildung, Dienstleistungen und direkte Angebote als es in anderen OECD-Ländern der Fall ist. Dennoch lebt fast jedes sechste Kind in relativer Armut, also mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens.

Und dieses monatliche Durchschnittseinkommen lag in den vergangenen Jahren laut offiziellen Statistiken bei etwa 1500 Euro, was für die von der Studie betroffenen Eltern einen monatlichen finanziellen Spielraum von etwa 700 Euro ergibt. Auf den ersten Blick noch recht üppig, führt nach Abzug der notwendigen Lebenshaltungskosten zu einem existenziellen Problem: Armut.

Die Armutsquote bei Kindern in der Bundesrepublik sei hoch, wird in der Studie recht nüchtern konstatiert. Vor allem Kinder allein erziehender Eltern sind der Studie zufolge von Armut betroffen. So liegt deren Armutsrate in Deutschland bei 40 Prozent, im OECD-Schnitt sind es nur 30 Prozent. Insgesamt geht man davon aus, dass 2,5 Millionen Kinder hierzulande direkt von Armut betroffen sind.

Erschreckende, traurige, alarmierende Zahlen, die von der Leiterin der Tafel Kaufbeuren Gratislädle e. V., Gertrud Sauter, für Bayern bestätigt werden: „Natürlich gibt es im weltweiten Vergleich verschiedene Formen von Armut, aber wir müssen leider sagen, dass auch in unserer Region Kinder unmittelbar betroffen sind. Kinderarmut ist definitiv auch in Bayern ein Thema.“

Dieses Buch von Arche-Gründer Bernd Siggelkow sorgte Deutschland weit für Aufsehen. Foto/Quelle: sendbuch.de

Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich der eingetragene Verein um Familien in der Region Kaufbeuren, die am Existenzminimum leben; und deren Zahl steigt: „Die soziale Entwicklung in dieser Zeit sieht eine deutliche Steigerung. 1999 hatten wir wöchentlich 40 Abholer unserer Hilfspakete, heute sind es 200, insgesamt 500 Personen profitieren von der Unterstützung.“

Diese Entwicklungen und Statistiken werden von anderen Einrichtungen mit vergleichbaren Arbeitsschwerpunkten bestätigt. In seinem bemerkenswerten Buch „Deutschlands vergessene Kinder“ verweist der Gründer des mittlerweile Deutschland weit aktiven Kinderprojekts Arche, Bernd Siggelkow, aus der Perspektive der täglichen Arbeit mit Kindern in Armut auf die Konsequenzen dieser Problematik.

Für das „Geschenk mit Herz“-Team und alle beteiligten Organisationen wie Sternstunden e. V. und auch unserem Medienpartner Bayerischer Rundfunk war nicht zuletzt aufgrund der bekannten Situation von Kindern in Deutschland klar, dass wir unsere Aktion 2009 auch auf Bayern ausweiten.

Sollten Sie, liebe Freunde und Förderer, weiterführende, konkrete Nachfragen zu diesem Thema haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Vielen Dank für jede Form der Unterstützung, bitte stehen Sie auch 2010 an unserer Seite.

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